Unsere Philosophie

 

tl_files/img/foto2.jpgDas Wort „Didaktik“ leitet sich vom griechischen „didaskein“ = „lehren, unterrichten, unterweisen, bilden“ ab. Der Lehrer wurde in der griechischen Antike als „didacticos“ bezeichnet, unter „didaktiké téchne“ verstand man die Lehrtechnik bzw. Lehrkunst. Wolfgang Ratke (Ratichius) verwendete als erster im Deutschen das Wort „Didaktik“ synonym für „Lehrart“. Und wohl jeder, der irgendwie mit Bildung befasst ist, kennt die „Didactica Magna“, die „Große Didaktik“ des Jan Amos Komensky (Comenius). Eigentlich, so sollte man meinen, müsste sich die Didaktik zur grundlegenden Berufswissenschaft eines jeden Lehrers entwickelt haben. Eigentlich sollte didaktisches Denken im professionellen Selbstverständnis einer jeden Lehrerin eine entscheidende Rolle spielen. Eigentlich müsste didaktische Kompetenz die professionelle Kernkompetenz aller mit Lehr- und Lernprozessen befassten Personen sein…

 

Müsste und sollte! Warum ist dem nicht so?

Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Die meisten davon liegen in der Didaktik selbst begründet. Während sich die Didaktik als wissenschaftliche Disziplin im 17. Jahrhundert etablierte und in den folgenden Jahrhunderten rasch entwickelte, stagnierte die wissenschaftliche Theoriebildung in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Heute erschwert eine unüberschaubare Vielzahl unterschiedlich komplexer didaktischer Ansätze den intra- und interdisziplinären Diskurs. Allgemeine Didaktiker sind häufig über Entwicklungen in den Fachdidaktiken wenig oder gar nicht informiert. Fachdidaktiker entwickeln ihre Theorien häufig von den Fachwissenschaften her, ohne Bezug zu allgemeindidaktischen Ansätzen. Und in vielen Fällen fehlt Vertretern aller Disziplinen der für eine Berufswissenschaft so notwendige Blick auf die Unterrichtswirklichkeit. Dies beeinträchtigt heute zuallererst die Lehrerausbildung. Die Didaktiken der Schulfächer (Fachdidaktiken) sind im Lehramtsstudium der Allgemeinen Didaktik zu- bzw. nachgeordnet, häufig ohne eine heuristische Sicht anzuregen. Lehramtsstudierende sind unangeleitet nicht in der Lage, unterschiedliche Modelle und Ansätze zu integrieren. Wirkliche didaktische und fachdidaktische Kompetenz wird somit nicht ausreichend entwickelt. Als Konsequenz verfallen junge Lehrerinnen und Lehrer in als Schüler erlebte Routinen bzw. übernehmen – relativ unreflektiert - methodische Verfahren von älteren Kollegen („Meisterlehre“).

Eine immer weniger gepflegte berufsbegleitende Weiter- und Fortbildung der Berufspraktiker führt zur Verfestigung subjektiver, teleologischer Theorien. All dies hat zu einer Disparität zwischen vermeintlicher Grundlagenwissenschaft (Didaktik) und realer Schulpraxis geführt: Einerseits hat die Didaktik als Wissenschaftsdisziplin den Bezug zu ihrem eigentlichen Gegenstand, dem schulischen Unterricht, weitgehend verloren, andererseits nehmen Unterrichtspraktiker die Didaktik als Berufswissenschaft weitgehend nicht mehr zur Kenntnis. Eine Folge dieser inakzeptablen Situation ist die Zunahme so genannter „Ratgeberliteratur“, die anstelle systematischer didaktischer Fundierung (oft zweifelhafte) Unterrichsrezeptologien als Heilsversprechen an den Mann / die Frau oder die Institution zu bringen versucht. Es ist sicher nicht übertrieben, wenn unter Ansehen dieser Zustände einige Autoren von einer postmodernen Krise der Didaktik sprechen.

 

Es ist an der Zeit, dass sich die Didaktik wieder zur Berufswissenschaft der Lehrer wandelt und ihre ureigenen Aufgaben wahrnimmt:

 

1. die (fachübergreifende und fachspezifische) Erforschung der Unterrichtswirklichkeit und

2. die Ableitung normativer Aussagen für den Unterricht in Bezug auf

  • die Ermittlung und Beschreibung der Ziele von Schulunterricht,

  • die Diskussion und begründete Auswahl der Inhalte von Schulunterricht,

  • die Erforschung und Darstellung angemessener Vermittlungsverfahren,

  • die Erforschung und Darstellung angemessener Medien,

  • die Erarbeitung von Evaluationsverfahren sowie

  • die Verarbeitung der gewonnenen Erkenntnisse in Curricula, Teilcurricula und exemplarischen Unterrichtssequenzen.